Simone Rueß

K. H. Stauffer (space biography), 2019-2022

Video und Doppelzeitgraphen basierend auf Gesprächen mit K. H. Stauffer

Kurzfilm, Freilichtbühne Weißensee, 4min

Seit 2019 besucht die Künstlerin Simone Rueß Menschen mit demenziellen Veränderungen im Ernst-Berendt-Haus der Stephanus GmbH in unmittelbarer Nachbarschaft der Freilichtbühne Weißensee und versucht, sich dem Raumverständnis mit Demenz auf visuell-praktischer Ebene anzunähern. In wiederkehrenden Gesprächen lässt sie sich Raumerlebnisse beschreiben, welche sie im Nachhinein zeichnerisch visualisiert und nun in der Ausstellung „FRAGILES ERINNERN“ auf dem Gelände der Stephanus-Stiftung präsentiert. Die Freilichtbühne zeigt anlässlich der Ausstellung ein Kurzfilm-Portrait von K. H. Stauffer, der mit seiner Familie 1945 aus dem heutigen Polen in die Pfalz floh, wo er mit seiner Familie auf einem Vier-Seiten-Hof aufwuchs. Später bewirtschaftete er selbst jahrelang diesen Hof. Die Flucht sowie der Eiserne Vorhang spielen in seinen Erinnerungen eine zentrale Rolle. Neben eines Raumbiografie-Albums, das die Künstlerin in Kollaboration mit dem Protagonisten ständig erweitert, sehen und hören wir drei Auszüge aus dem umfassenden Projekt „Space/Time/Resonance“ (2022), in dem sich Simone Rueß damit befasst, „wie sich geopolitische Zäsuren in raumbiografische Erzählungen niederschreiben…“

Animation
Doppelzeitgraphen fassen auf einem vertikalen historischen Zeitstrahl und einem horizontalen Erzählverlaufs-Zeitstrahl die Narrationen (in diesem Fall von K. H. Stauffer) zusammen. Es werden Gewichtungen biografischer Daten in Abhängigkeit zum Erinnerungsvermögen sichtbar. Überlagerungen zeigen, wie bestimmte biografische Erlebnisse, beeinflusst von geopolitischen Zäsuren, eine stärkere Resonanz erhalten.

Lichtaufnahme [Mikrolichtinstallation]
Am 18. Januar 2022 wurde für die Dauer von acht Stunden in einem abgedunkelten Raum Tageslicht auf einem Blatt Papier mit einem kleinen Trichter im Mikromaßstab aufgenommen und über eine Webcam auf dem Monitor eingeblendet. Der digitale Lichtkegel übersetzt das Phänomen der Filterung von Wahrnehmungen auf die Leinwand (als vergrößerter Sensor).

Klangstück von Catherine Lamb
Gefilterte Umgebungsgeräusche sind die Grundlage von Lambs Stücks inter sum (2019). Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Übergänge der akustischen Wahrnehmung zwischen drinnen und draußen wendet Lamb mit ihrem Synthesizer-Instrument einen Resonanz-Bandpassfilter auf ihr Umgebungsfeld an und hält so das ständig schwankende Aufmerksamkeitsfeld fest.


FRAGILES ERINNERN

Simone Rueß

Ausstellung von 17.06. – 20.11.22

Ernst-Berendt-Haus der Stephanus GmbH, Eröffnung: Freitag, 17.06.2022, 14-17 Uhr

Friedenskirche der Stephanus-Stiftung, Eröffnung: Freitag, 09.09.2022, 14-17 Uhr

Albertinenstraße 20, 13086 Berlin


Freilichtbühne Weißensee, ab 17.06.2022

Große Seestraße 10, 13086 Berlin