DE 1922, 94min, R: Friedrich Wilhelm Murnau | Olicía und Assimilation Process


Stummfilmkonzert mit Olicía und Assimilation Process

Zum Jubiläum von Friedrich Wilhelm Murnaus »Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens« begleiten die Musiker*innen Olicía (Kopenhagen/Berlin) und Assimilation Process (Dresden) den Stummfilmklassiker live auf der großen Bühne.
Murnaus Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, der am 4. März 1922 im Marmorsaal des Zoologischen Gartens Berlin uraufgeführt worden ist, ist einer der ersten Horrorfilme überhaupt und eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik. Eine Abkehr von den Kunstwelten des expressionistischen Kinos, die über Außenaufnahmen und eine Vielzahl real existierender Drehorte den Einbruch des Grauens in das Vertraute beinahe passiv und dokumentarisch zu verfolgen scheint. Der von Max Schreck so ikonisch verkörperte Graf Orlock ist bis heute die (pop-)kulturelle Blaupause des blutdürstenden Untoten.
Die Deutungen dieses Filmklassikers sind dabei so reichhaltig wie von trauriger Aktualität: als „metaphysisches Sinnbild politischer Diktatur“ (Seeßlen & Jung 2006), als Reaktion auf die Erfahrung des Ersten Weltkrieges einer „gefährdeten, instabilen, von dunklen Ängsten gepeinigten Gesellschaft. [Orlock] kommt in ein Universum, das anfällig geworden ist gegenüber Gewalt und Terror.“ (Gehler & Kasten, 1990), aber auch als verklärt-romantisierender Blick auf eine vorindustrielle Zeit, der Motive Caspar David Friedrichs in seiner Bildkomposition zitiert.
Der düsteren Atmosphäre Nosferatus nehmen sich die Musikerinnen Anna-Lucia Rupp und Fama M’Boup, auch bekannt als Olicía, und der Musikproduzent Stefan Senf an, der unter dem Alias Assimilation Process zahlreiche Filme und Theaterstücke vertont hat.Die Künstler*innen haben im Auftrag des Militärhistorischen Museums Dresden 2021 einen völlig neuen Filmsoundtrack komponiert, der die 100 Jahre alten Bilder mit zeitgenössischen Mitteln neu interpretiert: die elektronisch anmutende Klangästhetik aus Samples und field recordings, organischen Beats, jazzigen Loops und elektronischen Ambientflächen wird darin immer wieder gebrochen durch akustische Klänge von Klarinette, Zither, Klavier und den Stimmen der beiden außergewöhnlichen Sängerinnen und Multiinstrumentalistinnen, die die Filmsequenzen wie Geister zu durchwehen scheinen. Bilder und Musik verschmelzen dabei (alb-)traumartig zu einem ganz und gar einzigartigen Livemusik-Film-Erlebnis.

Eintritt frei!

 

Datum: Fr, 09.09.22
Zeit: 20:00 Uhr