USA 2020, 110min, R: Chloé Zhao


Die USA sieht sich selbst gern als Land großer Freiheiten. Das lädt die Verantwortung für das eigene Schicksal gern beim Individuum ab. Doch was passiert mit diesen Individuen, wenn sie aufgrund wirtschaftlicher Krisen in Not geraten und wegen finanzieller Engpässe ihr Heim aufgeben müssen? Fern (Oscarpreisgewinnerin Frances McDormand) ist so eine Person und sie erklärt gleich in den ersten Minuten von Nomadland: „I’m not homeless, I’m just houseless.“ Nach 88 Jahren schloss die Fabrik, die den Einwohnern in der Stadt Empire in Nevada Arbeit gab. Kurz darauf existierte nicht einmal mehr die Postleitzahl des Ortes. Alle Einwohner mussten die Gegend verlassen. So auch Fern. Die belädt einen kleinen Transporter mit ihrem Hab und Gut und macht sich auf dem Weg, der Arbeit hinterher. Tagsüber schuftet sie in Fabriken, Wäschereien, beim Burgerbraten. Abends schläft sie in ihrem Transporter. Und Fern ist nicht die einzige, auf ihrer Reise durch Amerika trifft sie auf andere Arbeitsnomaden, die wie Zugvögel den Gelegenheitsjobs und der Saisonarbeit hinterherziehen und manchmal auch vor dem bürgerlichen Leben und den Geistern ihrer (Kriegs-)Vergangenheit auf der Flucht sind.

„Nomadland“ basiert lose auf dem Sachbuch-Bestseller „Nomadland: Surviving America In The Twenty-First Century“, für den sich Jessica Bruder ein Jahr lang sogenannten „Arbeitsnomaden“ angeschlossen hat. Aber auch wenn die Journalistin ein Schlaglicht auf die Schattenseiten der amerikanischen Wirtschaft wirft, ist ihr Buch mehr als eine Anklage des Systems – an vorderster Stelle stehen stattdessen die Menschen, deren Warmherzigkeit, Widerstandskraft und Kreativität Jessica Bruder in ihrem Jahr auf der Straße kennen und schätzen gelernt hat.

Mit „Nomadland“ entwickelt „The Rider“-Regisseurin Chloé Zhao ihre ganz eigene Art des Filmemachens konsequent weiter. Ein berührendes, bildgewaltiges und trotzdem durch und durch bescheidenes Roadmovie voll flüchtigem Glück, das gerade deshalb so tief berührt, weil es nicht auf die Tränendrüse drückt

Vorverkauf

Datum: Sa, 11.09.21
Zeit: 20:15 Uhr