Border (OmU)

SWE 2018, Ali Abassi. Eine Zöllnerin mit außergewöhnlichem Riecher für die Schwächen ihrer Mitmenschen entdeckt ihre animalische Seite und trifft einen mehr als nur Seelenverwandten, der sie u.a. in der Kunst des genussvollen Verspeisens von Insekten einführt. Un certain regard-Gewinner in Cannes!

Tina ist anders. Ihr Gesicht hat animalische Züge, die Nasenflügel beben wie bei einem Jagdtier, ihr Auftreten ist burschikos, ihre Mimik unbewegt. Und doch wird die junge Frau von allen geschätzt. Denn als Grenzbeamtin verfügt sie über ein besonderes Talent: Sie kann das Schlechte riechen. Und somit Schmugglern oder anderen Kriminellen das Handwerk legen. Als eines Tages der geheimnisvolle Vore vor ihr steht, erkennt sie, dass er ebenfalls anders ist. Seine Gesichtszüge sind Tinas sehr ähnlich, auch die Liebe zur Natur und das verschlossene Verhalten sind gleich. Tina fühlt sich auf geheimnisvolle Weise zu Vore hingezogen – doch weiß sie nicht, wie sie mit dem Gefühl des Begehrens und der Liebe umgehen soll. Denn als sie von Vore die Wahrheit über ihre eigene Herkunft erfährt, muss sie entscheiden, ob sie das Leben, was sie für sich akzeptiert hat, so noch weiterleben kann.

Mit BORDER, dem Preisträger der Reihe Un Certain Regard bei den Filmfestspielen in Cannes, gelingt dem iranisch-schwedischen Regisseur Ali Abbasi ein außergewöhnliches Meisterwerk. Wie ein einziger Fluss bewegt sich der Film zwischen den Genres, ist Kriminalfilm, Drama und Mystery-Romanze zugleich, und bleibt doch immer ganz nah bei seiner Hauptfigur und im Realismus der Verhältnisse. Schon die erste Einstellung verrät, mit welcher unglaublicher Präsenz und Kraft Eva Melander ihre Rolle ausfüllt. Sie verleiht Tina eine Wärme, Würde und Liebenswürdigkeit, die das Aussehen zu etwas Nebensächlichem macht. Im Zusammenspiel mit Tieren und der Natur, die Kameramann Nadim Carlsen in fast mystische Bilder taucht und der atmosphärische Score von Christoffer Berg und Martin Dirkov noch unterstreicht, wird klar, wieviel Kraft und Ausstrahlung Tina besitzt. Besonders in den Szenen mit Vore (eindrucksvoll: Eero Milonoff) wirkt dies besonders eindringlich, wenn sich Menschliches und Animalisches auf ganz natürliche Weise verbinden. Das Figurenensemble ist gefüllt mit ambivalenten Figuren, die ganz gegen das Klischee keine Mauer gegen Tina bilden, sondern sie in ihrer Gesellschaft vorbehaltlos akzeptieren. In seiner Komplexität, seinen stetigen Überraschungen und Wendungen und dem Mut zu unkonventionellen Figuren ist BORDER ein großes filmisches Wagnis. Und ein eben solcher Triumph.

Sprache: Schwedisch mit deutschen Untertiteln.

  • Beginn: 21:00 Uhr

    Länge: 108 min

    Preis: 7 €